DER DENKRAUM

DER DENKRAUM

Macht, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im KI Zeitalter

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Linz, achtzinter September neunzuneunundsiebzig.

00:00:04: In der Stahlstadt beginnt ein Festival, das es so noch nirgends gibt!

00:00:10: Die Eröffnungsrede hält eine Roboter.

00:00:13: Neunzueneunundsebzig kein Internet wie du es kennst, kein Handy in der Hosentasche keine KI.

00:00:20: Und trotzdem stand in Linz an diesem Tag die Frage im Raum, die uns heute umtreibt Was macht die Maschine mit der Kunst?

00:00:29: Am selben Abend stehen im Donaupark rund hunderttausend Menschen.

00:00:34: Sie hören Anton Bruckners achte Symphonie, gespielt von keinem Orchester im Saal sondern von einer Lautsprecheranlage über der Stadt – die erste Linzer Klangwolke!

00:00:47: Ein Roboter hält die Rede eine Maschine trägt Bruckner, hundert tausend Leute kommen.

00:00:54: Das Festival heißt Arse-Elektroniker.

00:00:57: Es läuft immer noch.

00:00:59: Wenn du wissen willst, was an der Aufregung um KI neu ist musst du zuerst wissen, was daran alt ist.

00:01:10: Herzlich willkommen im Denkraum!

00:01:13: Mein Name ist Georg Redelhammer.

00:01:15: Das ist Teil zwei der Reihe über KI in Film Fernsehen Radio und Text.

00:01:22: Beim letzten Mal ging es um die Stimme und um die Frage ob Betonung eine Entscheidung ist.

00:01:29: Heute trete ich einen Schritt zurück und schaue mir das Muster an.

00:01:34: Zwei Behauptungen stelle ich an den Anfang.

00:01:37: Erstens, dass Versprechen eine neue Technik werde die Kunst verändern ist so alt wie elektronische Kunst selbst.

00:01:47: Es wird in Linz seit neunundsiebzig verhandelt.

00:01:51: Zweitens, diesmal ist etwas anders nur nicht das was die meisten glauben Als Elektroniker gegründet, das erste Festival fand am achtzehnten September, die Initiatoren Hannes Leerbolz-Eder damals Intendant des ORF Oberösterreich, Christine Schöpf aus der Kulturredaktion des ORf und der Linzer Bürgermeister Franz Hillinger als Mitveranstalter.

00:02:22: Die Wurzel dieses Festivals liegt beim öffentlich rechtlichen Rundfunk.

00:02:27: eine Stadt die für Stahl bekannt war, bekommt ihr Kunstfestival von einem Rundfunk in den Anden.

00:02:37: Leopold's Eder suchte eine Verbindung zwischen dem neuen Technikfestival und dem Bruckner Fest.

00:02:43: Herausgekommen ist die Klangwolke gemeinsam mit den Münchner Komponisten Walter Haupt.

00:02:49: Bruckners aus Lautsprechern über einer Stadt für hunderttausend Menschen, die keine Einredskarte brauchten.

00:02:58: Man kann das als Entwertung lesen!

00:03:00: Konserve statt Konzertzahl.

00:03:03: Man kann es auch als das Gegenteil lesen, die Technik hat die Musik dorthin gebracht wo die Leute waren.

00:03:11: Diese beiden Lesearten streiten seit neunzehnneunundsiebzig miteinander.

00:03:16: sie streiten heute über KI mit denselben Argumenten.

00:03:21: Ein kurzer persönlicher Side Step Die Arse-Elektroniker war für mich als ORF Journalisten der neunziger Jahre in Oberösterreich allgegenwärtig.

00:03:31: Dann wurde auch noch das Ars-Elektronikersender gebaut, das Museum der Zukunft.

00:03:36: Museum ist natürlich ein Widerspruch!

00:03:39: Ein Schaufenster in die Zukunft stimmt eher.

00:03:42: In den letzten Jahren kam schon der Pri-Arseelektroniker dazu einen Wettbewerb.

00:03:49: Im ersten Jahr gab es siebenhundertfünfzehn Einreichungen aus fünfzehn Ländern.

00:03:56: Zwei der Golden Nicas gingen an Peter Gabriel und an John Lasseter.

00:04:03: Der John Lasseter?

00:04:06: Ja.

00:04:06: In die Kinos bekam er einen Preis für Computeranimation, damals eine Spielerei für Fachleute.

00:04:15: Acht Jahre später kam Toy Story in den Kinos der erste vollständig am Computer animierte Spielfilm.

00:04:24: Er hat ihn inszeniert!

00:04:26: Was in Linz, wie eine technische Kuriosität ausgezeichnet wurde Waren, Nineteinfünfundneinzig ein Weltkinoerfolg.

00:04:36: Nineteinsächsundneunzig bekam das Festival wie gesagt ein Haus im Arselektronikersenter, dass ganzjährig offen ist.

00:04:45: und Zwei-Tausendneinzehn eröffnete dort eine Dauerausstellung mit dem Titel Understanding AI!

00:04:55: Zwei Tausendneunzehn drei Jahre bevor Chatshipiti öffentlich wurde und die halbe Welt glaubte KI sei gerade erfunden worden.

00:05:07: In Linz stellte man diese Frage also nicht erst seit zwanzig, zweieinzwanzig.

00:05:12: Man stellt sie seit neunzehnneunundsebzig und das ist kein Bruch!

00:05:19: Das ist eine Kontinuität.

00:05:22: KI ist der jüngste Gast auf einem Fest, dass seit sechsohnvierzig Jahren läuft.

00:05:29: Im Dezember zwanzich vierzehn wurde Linz von der UNESCO zur City of Media Arts ernannt.

00:05:36: Aus der Stahlstadt war eine Medienkunststadt geworden, das hat vierzig Jahre gedauert und begann mit einem Rundverkindentanten, der eine Idee hatte.

00:06:06: every days the first five thousand days.

00:06:11: Eine Collage aus fünf tausend Bildern, die er über dreizehn Jahre täglich gemacht hatte.

00:06:18: Zuschlag, neunundsechzig Komma drei Millionen Dollar für eine Datei!

00:06:26: Was da verkauft wurde war ein NFT.

00:06:30: NFT steht für non fungible token auf Deutsch etwa nicht austauschbares Token.

00:06:39: Ein NFT ist ein Eintrag in einem digitalen Register, er sagt diese Adresse gehört dieser Person.

00:06:49: das Bild selbst liegt woanders.

00:06:52: jeder kann es ansehen und kopieren.

00:06:54: was du kaufst ist der Eintrack eine Besitzerkunde ohne Besitz.

00:07:04: Der Handel mit Kunst-NFT erreichte in diesem Jahr rund zwei Komma neun Milliarden Dollar.

00:07:12: Im ersten Quartal, zwanzig fünfundzwanzig, waren es noch dreiundzwantig Komma acht Millionen.

00:07:19: Ein Rückgang um etwa dreieinundneinzig Prozent.

00:07:23: der Durchschnittspreis fiel von zweitausendvierundvierzig Dollar im Jahr zwanzigeinenundzwanzig auf vierhundertfünfundseipzig Dollar im Ja zwanzichdreihundzwannzig.

00:07:35: Die Zahlen stammen von der Marktdatenplattform DAPRAIDER veröffentlicht im März, die Größenordnung ist aber durch mehrere Berichte gedeckt.

00:07:47: Für den gesamten NFT-Markt nicht nur Kunst sieht es ähnlich aus.

00:07:52: Höhepunkt – zwanzig zweiundzwanzig mit siebenundfünfzig Komma zwei Milliarden Dollar Handelsvolumen.

00:08:13: Sagt dir der Board Ape Yacht Club etwas?

00:08:18: Zehntausend gezeichnete Affen mit Sonnenbrille und Kapitänsmütze.

00:08:24: Im Mai, May, April, August, November, Januar, September, Juli, Janu, Juni eine Kryptowährung.

00:08:35: Damals rund dreihundertfünfzigtausend Dollar, im Mai zwanzig-vierundzwanzig war es dreizehnkommar vier Liter und vierzigtaussend Dollar etwa neunzig Prozent Wertverlust.

00:08:50: Dreihundertfünftigtausende Dollar für einen gelangweilten Affen.

00:08:56: Ich habe das damals nicht verstanden und ich verstehe es heute noch weniger.

00:09:02: Und jetzt der Teil den die Hämme meistens auslässt.

00:09:06: Die Verluste haben nicht die Erfinder getragen, getragen haben sie die, die spät gekauft haben weil ihnen jemand erklärt hat Sie seien früh dran.

00:09:17: Trotzdem gehört die Gegenposition dazu.

00:09:20: Für digitale Künstlerinnen und Künstlern war der NFT Boom das erste Mal dass ihre Arbeit einen Preis hatte.

00:09:29: Wer ein Bild malt kann es verkaufen.

00:09:32: Wer eine Datei baut, konnte das lange nicht.

00:09:36: Ein paar von ihnen haben in diesen zwei Jahren mehr verdient als in zehn Jahren davor.

00:09:42: Der Markt ist zusammengebrochen.

00:09:44: Die Frage wie digitale Arbeit bezahlt wird, ist damit aber nicht beantwortet.

00:09:49: Sie ist offen liegen geblieben.

00:09:53: Merkt ihr diese Frage?

00:09:54: In Teil drei kommt sie zurück.

00:09:56: Dann geht es um Stimmen statt um Bilder.

00:10:01: Es gibt einen Moment an dem man merkt dass eine Sache vorbei ist.

00:10:06: Er kommt, wenn Hollywood sie entdeckt.

00:10:10: Am zwölften Januar zwanzig vierundzwanzig startete auf Netflix der Film Lift Regie F. Gary Gray in die Hauptrolle Kevin Hart ein heißes Film.

00:10:21: Die Eröffnung zeigt zwei Qs gleichzeitig einen Van Gogh In London und in Venedig die inszenierte Entführung des NFT Künstlers N-Acht dessen Werk daraufhin auf neunundachzig Millionen Dollar hochschnellt.

00:10:37: Ein Raubzug auf ein NFT im Januar zwanzig vierundzwanzig, zu diesem Zeitpunkt war der Markt längst zusammengebrochen.

00:10:46: Das Drehbuch stahl einen Schatz, den es nicht mehr gab.

00:10:50: Das ist der zufälligste Frühindikator, den ich kenne.

00:10:54: Wenn eine Technik im Kino zur Beute wird... ...ist die Party vorbei!

00:11:00: Und damit zur Kernfrage dieser Folge Ist KI das nächste NFT?

00:11:09: Schauen wir uns erst an, was sich wiederholt.

00:11:12: Das schnelle Geld!

00:11:13: Die Helsversprechen die Angst etwas zu verpassen und der Satz mit dem jede Blase ihre Kritiker abräumt.

00:11:21: Du verstehst es halt noch nicht.

00:11:25: diesen Satz habe ich bei NFT gehört.

00:11:27: Ich höre ihn heute wieder.

00:11:29: Und jetzt der Unterschied und er ist unbequem für alle die auf das platzen hoffen.

00:11:36: Ein NFT konnte nichts.

00:11:39: Es lag in einem Register und war teuer.

00:11:42: KI tut etwas, sie schreibt, sie spricht, sie übersetzt, sie sortiert.

00:11:48: Sie findet in vierzig Sekunden wofür ich früher einen Tag gebraucht habe ein Werkzeug.

00:11:55: das Arbeit abnimmt verschwindet nicht wenn die Kurse fallen.

00:12:00: Ich merke dass an mir selbst für diese Folge habe ich Zahlen gebrauchten Handelsvolumen Jahreszahlenpreise.

00:12:08: Vor fünf Jahren wäre das ein halber Tag gewesen.

00:12:11: Jetzt sind es Minuten und ich muss die Quellen trotzdem selbst nachlesen, weil die Maschine mir sonst etwas erzählt, dass gut klingt.

00:12:18: Genau das ist der Punkt!

00:12:21: Das Werkzeug nimmt mir die Suche ab aber nicht die Verantwortung.

00:12:27: Ein NFT hat mir nie irgendetwas abgenommen.

00:12:33: Es kann trotzdem eine Blase geben Und ich halte das für plausibel.

00:12:39: Die Bewertungen mancher KI-Firmen sind vom Nutzenweid entfernt.

00:12:44: Nur sind das zwei verschiedene Dinge, die Aktie kann abstürzen während der Technik bleibt.

00:12:50: Bei der Eisenbahn im Jahrhundert war es so – die Spekulation brach zusammen, die Gleise blieben liegen und wurden benutzt.

00:12:59: Das ist ein Vergleich und kein Beweis.

00:13:02: Vergleiche beweisen nichts.

00:13:04: Sie ordnen nur.

00:13:08: Am Ende der NFT Geschichte Stand eine Besitzurkunde auf Pixel, die niemand mehr klären konnte.

00:13:15: Keiner hatte damit etwas gemeint – es war ein Eintrag formal korrekt und innen leer!

00:13:22: Genau diese Lehre kenne ich aus.

00:13:24: Teil eins Eine synthetische Stimme, die richtig klingt und nichts will.

00:13:31: Ein Register das jemanden etwas zuschreibt und Nichts bedeutet.

00:13:36: Beides ist an der Oberfläche in Ordnung.

00:13:39: Der Unterschied Das NFT ist weg, die Stimme bleibt.

00:13:46: Zwei Fragen für dich.

00:13:48: Erstens Woran erkennst du das?

00:13:51: eine Technik Substanz hat und nicht nur eine Erzählung?

00:13:57: Bei NFT hätte eine Frage genügt Was kann es?

00:14:02: Welche Frage stellst Du bei KI?

00:14:06: Zweitens Wenn eine Technique bleibt weil sie nützlich ist heißt dass auch dass sie gut ist?

00:14:13: Oder haben wir uns angewöhnt, Nutzen und Wert zu verwechseln?

00:14:19: Beim nächsten Mal wird es unangenehm.

00:14:22: Es geht um die Fälschung, um geklonte Stimmen – die Sätze sagen, die nie jemand gesagt hat!

00:14:29: Um eine Branche, die gerade um ihre Arbeit kämpft während Netflix deutsche Sprecherinnen und Sprechern zum KI-Training bewegen will Und um meine eigene Praxis.

00:14:41: ohne schonum Der Titel der Widerspruch.

00:14:46: Bis zum nächsten Mal in Denkraum!